Diskriminierung am Arbeitsplatz

Viele Lesben und Schwule werden an ihrem Arbeitsplatz auf Grund ihrer sexuellen Identität diskriminiert. Die Diskriminierungen gehen hierbei teilweise von Kolleginnen und Kollegen, von Vorgesetzten oder dem gesamten Unternehmen aus.

Mit der Verabschiedung des „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes“ (kurz: AGG), welches häufig auch als Antidiskriminierungsgesetz bezeichnet wird, hat der Gesetzgeber die Diskriminierung unter anderem auf Grund der sexuellen Identität untersagt.
Der LSVD Bundesverband hat auf seiner Internetseite umfangreiche Informationen zum Thema AGG zusammengestellt: https://www.lsvd.de/recht/gleichbehandlungsgesetz.html

Der LSVD Köln hat sowohl für Betroffene als auch für Unternehmen, Betriebsräte und Gewerkschaften einige Informationen zusammengestellt, die über die rein rechtliche Perspektive hinausgehen.
Diese Informationen, speziell für Unternehmen, Betriebsräte und Gewerkschaften finden Sie in der Rubrik „Diversity Management (DiM)“.

Informationen für Betroffene:

Werde ich „diskriminiert“?

Eine Diskriminierung liegt vor, wenn ich benachteiligt werde, also beispielsweise eine andere Behandlung durch einen Vorgesetzten erfahre als alle anderen (gleichgestellten), heterosexuellen Kollegen. Nicht zu einer Diskriminierung gehört z.B. die Einrichtung eines Betriebskindergartens, den ich als kinderloser schwuler Mann nicht nutzen kann.

Häufige Beispiele für eine Diskriminierung sind z.B.:

  • Sexuelle Belästigung (Berührungen, Bedrängungen, Entkleidung, usw.)
  • Sexuelle Anspielungen (Bildchen auf dem Schreibtisch, Zusendungen per E-Mail, usw.)
  • Missachtung der gewünschten Anrede (Transgender)
  • Verbreitung von Gerüchten (über Sexualpraktiken, Partner, (Geschlechts-)Krankheiten usw.)
  • Imitation (Nachahmen von „Tunten“ oder „Mannsweibern“, Nachsprechen usw.)
  • Weigerung die gleichen Umkleide-/Wasch-/Toilettenräume zu benutzen
  • Übergehen bei Beförderungen/internen Stellenvergaben oder Gehaltserhöhungen
  • Negative Beurteilungen, Zeugnisse oder sonstige Testate
  • Benachteiligung bei der Urlaubsplanung/Arbeitszeitplanung

Wie verhalte ich mich, wenn ich diskriminiert werde?

Das hängt von der Form der Diskriminierung ab. Bei direkten Angriffen, Belästigungen oder Beleidigungen sollte man sich umgehend an die/den Vorgesetzte/n bzw. die Unternehmensleitung wenden und die/den Täterin/Täter bei der Polizei anzeigen. Wichtig: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, auf die vorgebrachte Beschwerde zu reagieren. Sollte er Sie auffordern, an den Arbeitsplatz zurück zu kehren, ohne dass vorher Maßnahmen ergriffen wurden, sollten Sie sich umgehend an einen Anwalt wenden. Dies ist natürlich nicht zulässig.

Bei weniger schwerwiegenden Diskriminierungsfällen (Mobbing, Übergehen bei Beförderung, usw.) sollte man das Gespräch mit den entsprechenden Stellen (siehe „An wen kann ich mich wenden?“) suchen. Sollte keine Reaktion des Unternehmens erfolgen, empfiehlt es sich auch hier, einen Anwalt einzuschalten.

Grundsätzlich gilt:

  • Nicht auf Anfeindungen, Beleidigungen usw. eingehen
  • Keine „Gegenangriffe“, z.B. in Form von Gerüchten, starten
  • Alles genauestens dokumentieren (Datum, Uhrzeit, Ort, Beteiligte, Vorfall)
  • Beratungsangebote nutzen
  • Im Zweifelsfall einen Anwalt einschalten
  • Bei körperlichen Angriffen oder Sachbeschädigung umgehend die Polizei einschalten

An wen kann ich mich wenden?

Wer an seinem Arbeitsplatz diskriminiert wird, kann sich innerhalb des Unternehmens z.B. an:

  • den Betriebsrat/Personalrat
  • die Personalleitung oder Geschäftsführung
  • den/die direkten Vorgesetzte/n oder
  • (wenn vorhanden) die/den Gleistellungsbeauftragte/n bzw. Diversity Manager/in

wenden. Hierbei sollte man sich an die Person wenden, zu der das größte Vertrauen besteht. Wichtig ist, dass einem klar sein muss, dass das Unternehmen zum Handeln verpflichtet ist, sobald ihm eine Diskriminierung bekannt wird. Wer sich eher beraten lassen möchte, sollte also bei Gesprächsbeginn klarstellen, worum es geht und ggfs. auf die Nennung der Namen vorerst verzichten.

Zwar empfehlen wir allen Lesben und Schwulen, sich keine Form der Diskriminierung gefallen zu lassen und empfehlen immer gegen diese vorzugehen, dennoch ist es in der betrieblichen Praxis natürlich häufig schwierig und bringt die/den Betroffene/n ggfs. in eine schwierige Situation.

Empfehlenswert ist es daher, sich im Vorfeld durch eine außenstehende Person beraten zu lassen. In einem solchen Beratungsgespräch kann die Situation gemeinsam analysiert und eine mögliche Vorgehensweise besprochen werden.

Eine entsprechende Beratung bietet der LSVD Köln. Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung bitte per E-Mail an Koeln@lsvd.de, bitte geben Sie hierbei eine Rückrufnummer an.

Weitere Beratungsstellen sind:
Antidiskriminierungsbüro Köln, Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V.
http://www.oegg.de/

Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS)
http://www.antidiskriminierungsstelle.de/