Unser Programm

Gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt

Der LSVD ist seit 1990 erfolgreich als Verband für Lesben und Schwule aktiv. Es wurde viel erreich, z.B. die Abschaffung des § 175 StGB, die Einführung des Lebenspartnerschaftsrechts oder die Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes.

Trotzdem sind wir nicht am Ziel! Der LSVD hat im April 2010 sein neues Programm mit dem Titel „Gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt“ verabschiedet. Auf dieser Seite haben wir die vom LSVD definierten zehn Schritte zu gleichen Rechten, Vielfalt und Respekt gekürzt zusammengestellt. Das vollständige Programm des LSVD können Sie hier herunterladen…

1. Gleiche Rechte durchsetzen

Gleiche Rechte sind notwendige Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes Leben. Der Staat kann so lange nicht mit voller Glaubwürdigkeit gegen Homophobie eintreten, ehe er Schwule und Lesben nicht rechtlich gleichstellt.

2. Das Recht auf Respekt verwirklichen – Homophobie bekämpfen

Das Recht auf Gleichheit und Nichtdiskriminierung muss sich auch im Alltag verwirklichen. Lesben und Schwule haben Anspruch auf Respekt: in der Nachbarschaft, in Schule und Beruf, im Sportverein, in der Kirchengemeinde.

3. Respekt schaffen in Bildung und Erziehung, Wissenschaft und Kultur

Aufklärung tut auch heute noch Not: über schwule und lesbische Lebensweisen, über die Geschichte der Lesben und Schwulen, über Diskriminierung und Menschenrechte. Das ist viel Stoff für Schule und Hochschule, für Kultur und Medien.

4. Das Recht auf Familiengründung verwirklichen

Jeder Mensch hat unabhängig von seiner sexuellen Identität das Recht, eine Familie zu gründen. Es gibt die unterschiedlichsten Formen von Familien. Keine Familie darf wegen der sexuellen Identität eines ihrer Mitglieder diskriminiert werden. Tausende Kinder wachsen derzeit in Deutschland in Regenbogenfamilien auf, bei ihren lesbischen Müttern und schwulen Vätern. Langjährige Forschung belegt, dass diese Kinder sich in jeder Hinsicht gut entwickeln. Viele dieser Kinder stammen aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen vor dem Coming-out. Bewusste Familienplanung gehört heute aber auch zum Lebensentwurf vieler Lesben und Schwuler. Mit viel Kreativität und häufig gegen große Widerstände verwirklichen sie ihren Kinderwunsch: Kinder werden in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften geboren und finden hier als Adoptiv- oder Pflegekinder ein neues Zuhause. Eine moderne Familienpolitik muss alle Frauen und Männer unterstützen, die Kindern in ihrem Leben einen Platz schenken und ihnen helfen wollen, zu wachsen und sich gut zu entwickeln.

5. Das Recht auf Selbstbestimmung für Transgender, trans- und intersexuelle Menschen durchsetzen

Selbstbestimmtes lesbisches und schwules Leben bedeutet in der Regel auch einen Ausbruch aus traditionellen Geschlechterrollen. Hier treffen sich Lesben und Schwule biographisch oft mit Transgendern, trans- und intersexuellen Menschen, die für ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen. Der LSVD unterstützt diesen Kampf nachdrücklich. Es geht um die Verwirklichung elementarer Menschenrechte wie körperliche Unversehrtheit, die Achtung des Privatlebens und die persönliche Handlungsfreiheit.

Der LSVD solidarisiert sich mit Transgendern, trans- und intersexuellen Menschen im Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. Die Themen Transgender, Trans- und Intersexualität sind durchgängig in die Antidiskriminierungspolitik und die Arbeit für Respekt einzubeziehen, ebenso in alle gesellschaftspolitischen Maßnahmen insbesondere in den Bereichen Bildung, Integration, Kultur, Jugend- und Seniorenarbeit.

6. Vielfalt und Akzeptanz fördern

Die Welt der Lesben und Schwulen ist vielfältig. Schwule und Lesben gestalten ihre Lebensstile unterschiedlich: ungebunden, monogam, in Beziehungen, mit wechselnden Partnerinnen und Partnern, als Single. Immer mehr Lesben und Schwule entscheiden sich heute auch nach ihrem Coming-out, Eltern werden zu wollen. Für alle selbstgewählten Lebensweisen fordern wir gesellschaftliche Akzeptanz.

Wie andere Menschen auch, stellen bestimmte Lebensphasen Lesben und Schwule vor besondere Herausforderungen, insbesondere die Identitätsfindung in der Jugendzeit und die Auseinandersetzung mit Alter und Altern. Auch bestimmte Lebenslagen erfordern spezielle Antworten. So haben Lesben und Schwule mit Migrationshintergrund oft besondere Probleme zu bewältigen. Menschen mit Behinderungen kämpfen um Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe.

7. Eine aufgeklärte und solidarische Gesundheitspolitik durchsetzen

Jeder Mensch hat das Recht auf den bestmöglichen Zustand seiner körperlichen und geistigen Gesundheit. Eine aufgeklärte und solidarische Gesundheitspolitik muss die Belange von Schwulen und Lesben berücksichtigen sowie Diskriminierungen entgegentreten.

8. Verantwortung für die Vergangenheit wahrnehmen

Im nationalsozialistischen Deutschland fand eine Homosexuellenverfolgung ohne gleichen in der Geschichte statt. Die Nationalsozialisten haben die Lebenswelten von Schwulen und Lesben zerschlagen. Zehntausende schwuler Männer wurden nach § 175 Reichstrafgesetzbuch wegen „Unzucht“ zu Gefängnis oder Zuchthaus verurteilt, mehrere tausend Schwule wegen ihrer Homosexualität in Konzentrationslager verschleppt. Die meisten überlebten die Lager nicht.

9. Gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt in Europa befördern

Die fortschreitende europäische Einigung hat die Lebenssituation von Lesben und Schwulen in Europa erheblich verbessert. Die Europäische Union (EU) hat starke Impulse gesetzt für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung. Ohne die Antidiskriminierungsrichtlinien der EU wäre es vermutlich nicht gelungen, in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz durchzusetzen. Die mit dem Lissabon-Vertrag am 1. Dezember 2009 in Kraft getretene EU-Grundrechtecharta enthält ein Verbot der Diskriminierung wegen der „sexuellen Ausrichtung“. Das Europäische Parlament hat mehrfach deutlich gegen Homophobie und für gleiche Rechte in Europa Position bezogen. Zusammen mit unseren Partnerorganisationen setzen wir uns in Straßburg und Brüssel dafür ein, dass sich diese politische Grundhaltung in allen europäischen Institutionen dauerhaft verstetigt.

10. Die Achtung der Menschenrechte weltweit voranbringen

Es kann uns in Deutschland und in Europa nicht unberührt lassen, wenn in vielen Ländern Menschen wegen ihrer sexuellen Identität verfolgt werden. In vielen Ländern drohen Schwulen und Lesben Gefängnisstrafen, Folter und mitunter sogar die Todesstrafe. In vielen Fällen schüren religiöse und politische Führer ein Klima des Hasses. Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, trans- und intersexuelle Menschen – im internationalen Menschenrechtsdiskurs oft LGBTI abgekürzt (für lesbian, gay, bisexual, transgender and intersexual people) – werden gezwungen, in einem Klima der Angst zu leben. Homophobe Gewalttaten bleiben vielerorts ungeahndet, oftmals sind Polizeikräfte selbst an Übergriffen beteiligt. Das Recht auf persönliche Sicherheit ist für LGBTI in einer Vielzahl von Ländern nicht einmal ansatzweise gewährleistet. Sie brauchen unsere Solidarität und aktive Unterstützung. Deutschland hat aus seiner Geschichte heraus eine besondere Verantwortung, Menschenrechtsverletzungen an LGBTI entschieden entgegenzutreten.